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July 28, 2011 / dickbert

Ist die FSK käuflich? Über die pornografisierte Filmindustrie

Hangover 2 FSKHangover 2, die Junggesellen-Absturzparty von 4 Männern in Bangkok, läuft diesen Sommer in den deutschen Kinos. Wie nicht anders zu erwarten haben die Macher eine glänzende Kopie des ersten Teils aufgesetzt. Die Szenerie wurde kurzerhand von den USA nach Thailand verlagert, das war’s auch schon. Um den Erfolg des Vorgängers zu erreichen wurde – wie konnte es anders sein – sich nicht nur sexueller Inhalte bedient, sondern auch pornografische Elemente verarbeitet.

Normalerweise hätte ich das so hingenommen, aber die Tatsache das dieser perversierte Film pornografische Elemente aufweist und das junge Publikum mit sexuellen Themen und moralischen Vergehen überflutet hat mich stark verärgert. Jeder Erwachsene kann für sich entscheiden, ob er diese Inhalte konsumieren will. Kinder und Jugendliche hingegen werden jedoch schon im frühen Alter mit Bildern konfrontiert, die sie wahrscheinlich nicht verarbeiten können, bzw. falsch auffassen.

Die FSK (Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft) hat dem Film die Altersbeschränkung 12 verliehen. Mit 12 ist der Mensch noch ein Kind. Anale Sexszenen sowie die Nahaufnahmen von Geschlechtsteilen gehören nicht in so einen Film. Die Begründung zur Freigabe ab 12 liest sich wie eine Rechtfertigung, die bedenklichen Inhalte trotzdem schon an das junge Publikum weitergeben zu dürfen. Wie kann so etwas passieren? Wie kann ein Institut, dass sich “medienpolitische und -pädagogische Verantwortung” auf die Fahnen schreibt einen Film mit pornografischen Inhalten freigeben? Ist die FSK etwa käuflich? Beugt sie sich dem Druck der Filmindustrie?

Mit dem Streifen Hangover 2 ist jedenfalls die Grenze überschritten und es wird allerhöchste Zeit zu intervenieren. Aus diesem Grund habe ich im ersten Schritt eine schriftliche Beschwerde per E-Mail an die FSK gerichtet. Im zweiten Schritt werden Politiker angeschrieben. Der Druck wird nun konsequent erhöht. Wir dürfen nicht tolerieren, dass unsere Gesellschaft, unsere Kinder, vor die Hunde gehen.

E-Mail vom 28. Juli 2011 an die FSK Wiesbaden:

“Sehr geehrte Damen und Herren,

der Film Hangover 2 zeigt perverse Inhalte, die ich selbst als 36 Jähriger widerlich und abstoßend finde. Die wiederholte Zurschaustellung von Geschlechtsteilen, die Nahaufnahme dieser und der Anblick von nackten Transvestiten ist absolut ekelhaft und schockierend. Auch die analen Sexszenen (wenn auch nur fotografisch dargestellt) sind Elemente eines pornografischen Films.

Die Tatsache, dass Sie diesen Film mit FSK 12 versehen haben ist inakzeptabel. Sie tragen mit Ihrem unverantwortlichem Verhalten dazu bei, die Gesellschaft mit sexuellen Einflüssen zu überschwemmen und jede Grenze inhaltlicher und altersbeschränkter Art sukzessive zu senken. Ihre Begründung, “Prostitution und der Gebrauch von Drogen werden eher beiläufig und humorvoll gezeigt und nicht problematisiert.” stellt Ihnen ein Armutszeugnis aus und Ihr pädagogisches Urteilsvermögen sehr in Frage. Die Frage ist nicht ob etwas humorvoll gezeigt wird, sondern das es gezeigt wird. Hangover 2 demonstriert sexuelle Spielchen und moralische Vergehen am laufenden Band. Wie können Sie es wagen, einem 12 jährigen Kind (!!) pornografische Inhalte zuzumuten. Die sogenannte “Medienerfahrung” wird doch durch Fehlurteile wie Ihren überhaupt erst möglich.

Sie tragen zwecks Ihres Amtes die wichtige Verantwortung junge Zuschauer von Inhalten fernzuhalten, dessen Einordnung sie noch nicht gewachsen sind. Dazu gehören auch niveaulose Inhalte wie die pornografischen Szenen bei Hangover 2, die primitiver in Ihrer Form nicht sein könnten. Inhalte wie diese sollten Erwachsene sich anschauen dürfen, wenn sie denn wollen. Kinder und Jugendliche sollten vor dieser Perversion geschützt werden.

Ich erwarte freundlichst eine Stellungnahme zu meiner Beschwerde.

Gruß”

Die Antwort wird in diesem Blog geposted und auch alle weiteren Maßnahmen öffentlich protokolliert. Für Deutschland und unsere Kinder.

7 Comments

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  1. Sandra K. / Jun 20 2012 2:25 pm

    Hallo, habe den Film gestern mit meinem 14jährigen Sohn gesehen und muss schon sagen….!!
    War zum Teil entsetzt über die doch sehr deftige Sprache und die detailreichen Darstellungen für einen FSK 12 Film. Kam denn auf Ihr Schreiben eine Antwort? Ist ja jetzt schon ein Jahr her…
    Würde mich sehr über Nachricht freuen, bin am Überlegen selbst eine Mail zu schreiben…
    Viele Grüße,
    Sandra

  2. Nadja / Feb 21 2013 7:38 am

    Mich würde auch sehr interessieren, welche Antwort Sie erhalten haben bzw. ob sich da irgendwas tut? Ich bin auch völlig entrüstet, da in meinem Bekanntenkreis viele 11jährige!!! Kinder (weil 11 ist ja schon fast 12 wird mir gesagt) das schauen dürfen, die Eltern auf Nachfrage von mir mich für eine spiessige Mutter hinstellen und sich ja auch auf die FSK berufen… Ich bin beim Schauen der beiden Teile schon rot angelaufen und fand die Filme wirklich widerlich und habe große Bedenken, so etwas vor Kindern als “normal” hinzustellen. Welche Vorstellung von Party, Drogen, Sex sollen unsere Kinder denn aus diesem Film in ihre Jugend mitnehmen??? Das gilt im übrigen nicht nur für diesen Film, aber wirklich insbesondere für diesen!!!
    VG Nadja

    • S. K. / Mar 23 2013 11:41 pm

      Hallo Nadja,
      schade, dass sich hier im Blog anscheinend nichts mehr tut und wir wohl nie erfahren werden, ob und was die FSK geantwortet hat oder nicht…
      Bin auch immer noch irritiert und der Meinung, dass man denen mal gehörig den Kopf waschen sollte in Bezug auf so manche Freigaben für 12jährige. Hangover 2 schlägt hier alles bisher dagewesene… Unsere Kinder bekommen ja von der FSK “genehmigt und empfohlen” eine völlig falsche Vorstellung von Sexualität… Analverkehr mit Transvestiten, Sodomiehandlungen mit Affen etc. sind also völlig normal und nur wir sind so verklemmt… ?!?!
      Fremdvögeln kurz vor der Hochzeit, harte Drogen und Alkohol gehören anscheinend ebenso zum üblichen Erwachsenendasein… und das alles sehen Kinder, die teilweise erst 6-12 Jahre alt sind! Denn “ab 12” bedeutet, dass Kinder schon ab 6 Jahren (im Kino!) in Begleitung der Eltern den Film sehen dürfen und viele gehen mit ihren größeren Geschwistern und den Eltern hin! Der “Schaden” für die armen Kleinen und unsere Gesellschaft ist vorprogrammiert… danke dafür, FSK!
      LG
      Sandra

  3. Robin / Jul 9 2013 6:07 am

    Ich bin absolut der gleichen Meinung.

    Auch ich habe mich schriftlich an die FSK gewandt:

    Hallo,

    soeben habe ich mit meinem Sohn (12 Jahre) Hangover 2 angeschaut, nachdem ich mich auf die Empfehlung zur Freigabe ab 12 Jahren verlassen habe.
    Es ist ein absolutes Unding, dass dieser Film mit FSK 12 freigeben ist.

    Darin werden Nacktaufnahmen von Transvestiten, fotografisch Analsex mit Transvestiten gezeigt und Formulierungen getroffen, wie z.B. arschficken.

    Mit dieser Freigabe wurde de facto gegen §184 StGB verstoßen!

    Wer gewaltverherrlichende oder -verharmlosende Schilderungen verbreitet (§131 StGB) oder pornographisches Material Jugendlichen unter 18 Jahren zugänglich macht (§184 StGB), macht sich strafbar.

    Ich bitte um Weiterleitung dieser Beschwerde an die Stellen, die

    a) dafür zuständig sind, die FSK dafür augenblicklich anpassen

    b) Konsequenzen für diejenigen einleiten können, die diese offensichtliche fehlerhafte FSK Einstufung zu verantworten haben

    c) dafür sorgen, dass dies zukünftig nicht mehr auf solch fahrlässige Weise vorkommt

    Mit freundlichen Grüßen,

    ——

    darauf bekam ich folgende Antwort:

    Sehr geehrter Herr …,

    bevor wir näher auf den genannten Film eingehen, lassen Sie uns einige Informationen zu unserer Arbeit vorausschicken: Die FSK ist im Auftrag der Obersten Landesjugendbehörden für die Freigaben von Kinofilmen, Videos und vergleichbaren Bildträgern sowie auch von Trailern und Werbefilmen zuständig. Sie vertritt damit den gesetzlichen Jugendschutz im Bereich audiovisueller Medien. Die Entscheidungen treffen pluralistisch zusammengesetzte Ausschüsse, deren Prüferinnen und Prüfer von der Öffentlichen Hand sowie Bundes- und Länderministerien bzw. von der Film- und Videowirtschaft entsandt werden und ca. 3 Wochen pro Jahr bei der FSK ehrenamtlich tätig sind. Die Ständigen Vertreter der Obersten Landesjugendbehörden haben in den Arbeitsausschüssen den Vorsitz.

    Die neue Komödie des Regisseurs Todd Phillips thematisiert einen desaströsen Junggesellenabend in Bangkok, dessen inhaltliche Klammer die klassische Heiratskomödie ist. Die Umsetzung der Aspekte Männerfreundschaft, Liebe, Heirat, Sex, Drogen und Gewalt erfolgt in schriller Slapstick-Manier. Opulent ausgestaltete Kulissen vor phantastischen Landschaftsbildern und eine die Groteske der Szenen unterstreichende Musikgestaltung verleihen dem Film durchweg Realitätsferne. Die männlichen Protagonisten stehen im Alter zwischen 35 und 40 Jahren in der Mitte ihres Lebens, verhalten sich aber wie Kinder, die nicht erwachsen werden wollen. Die Figurenzeichnung ist konsequent übersteigert und klischeehaft. Mimik, Gestik und Dialoge unter den Darstellern wirken überdreht und geben den schnell aufeinanderfolgenden schrillen Gags Raum und Ausdruck. Haupt- und Nebenfiguren erhalten im Film keine tragfähige, prägende Charakterisierung, was bezüglich der Frage nach Identifikation mit ihnen kaum Anreize bieten dürfte.

    Die einfache Storykonstruktion und die Inszenierung von Action sowie kaum ausgespielte Gewaltdarstellungen beurteilt der Ausschuss als durchschaubar und verkraftbar für Kinder der Alterstufe ab 12 Jahren. Anlass für eine intensive Wirkungsdiskussion gab die filmische Darstellung von Sexualität und Drogen. Gezeigt werden Sexszenen im Rotlichtmilieu, die von einer streckenweise vulgären Sprache begleitet werden. Drogenkonsum ist im Film Bestandteil vom Feiern, bezogen auf die Lebenslage der männlichen Protagonisten ein letztes „über die Stränge schlagen“. Die Ausschussmitglieder setzten sich mit der Frage auseinander, ob von diesen Inhalten und ihrer filmischen Umsetzung entwicklungsabträgliche Wirkungen auf die Altersgruppe der 12-Jährigen zu erarten seien.

    Aufgrund folgender Wirkungsannahmen konnte der Ausschuss negative Folgen ausschließen: Rahmenhandlung und die filmischen Inhalte sind aus Sicht der Ausschussmitglieder nicht jugendaffin inszeniert. Die Protagonisten bieten sich nicht als Identifikationsfiguren an. Sie sind im Erwachsenenalter, etabliert und wenig heldenhaft gezeichnet. Auch Teddy, die jüngste Figur in der Clique, ist kein überzeugender Charakter, der als Vorbild taugen würde. Die Filmgeschichte spielt in einer für hiesige Kinder völlig fremden Welt, die keine Anknüpfungspunkte an die eigene Lebensrealität bietet. Die Abenteuer der Protagonisten sind realitätsfern dargestellt und bis ins Groteske gesteigert inszeniert. Auch das von Beginn an zu erwartende Happy End, die von Liebe und Treue geprägte Hochzeit, unterstreicht das Komödienhafte und den Unernst aller Abenteuer und Gags. Auch die in extrem hohem Tempo visualisierten Fotos am Ende des Films sind dem Prinzip der dramatischen Überzeichnung zugeordnet und hinterlassen laut Ausschuss keine beeinträchtigende Wirkung über das Anschauen des Films hinaus.

    Der Ausschuss kam zu der Einschätzung, dass 12-Jährige aufgrund ihres kognitiven Entwicklungsstandes und ihrer bereits im Genre der Komödie gewonnenen Medienerfahrungen in der Lage seien, die ironischen Brechungen und grotesken Überzeichnungen adäquat zu verstehen und einzuordnen. Eine Entwicklungsbeeinträchtigung ist daher nicht zu befürchten.

    Hierbei ist allerdings zu sagen, dass die FSK-Kennzeichnungen keine pädagogischen Empfehlungen sind sondern lediglich sicherstellen sollen, dass das körperliche, geistige oder seelische Wohl von Kindern und Jugendlichen einer bestimmten Altersgruppe nicht beeinträchtigt wird. Die Ausschüsse der FSK, die unter anderem aus Jugendamtsleitern, Jugendbildungsreferenten, Lehrern, Kinderärzten, Psychologen, die natürlich auch Eltern sind, bestehen, versuchen mit großer Sorgfalt die mögliche Wirkung eines jeden Filmes zu beurteilen. Eine letztlich “objektive richtige” Freigabe kann es nicht geben. Zu unterschiedlich sind die Filme, zu unterschiedlich sind die Rezeptionsbedingungen und -möglichkeiten von Kindern und Jugendlichen. Die Prüferinnen und Prüfer versuchen dies zu berücksichtigen.

    Mit freundlichen Grüßen

    ——

    Das ist erschütternd!
    Mit dieser Begründung zeigt sich noch nicht einmal ein Einsehen, sondern vielmehr die Rechtfertigung dafür auch zukünftig derartige Inhalte ohne weiteres Kindern von 12 Jahren zugänglich zu ´machen.

    • S. K. / Jul 24 2013 11:18 am

      Hallo Robin,
      danke für dein Engagement und deine Mail an die FSK. Ich habe als Antwort von denen leider nichts anderes erwartet… Die Erklärung ist einfach lächerlich und unhaltbar…
      Schlimm finde ich, dass dieser Film mit der FSK 12-Einstufung zum “Familienfilm” gemacht wurde, denn ins Kino durften auch Kinder ab 6 Jahren in Begleitung Erwachsener.
      Ich habe meine amerikanische Verwandtschaft mal gefragt, ab wieviel Jahren Hangover 2 bei ihnen freigegeben ist: Ab 17 !! Ok, die Amis sind (offiziell) etwas prüder als die Europäer, aber trotzdem… 5 Jahre Unterschied!? Deshalb muss bei uns ein FSK 16-Label drauf und fertig – nur wie erreichen wir das und vor allem auch für zukünftige Filme dieser Art?
      LG Sandra

      • altersfreigabencheck / Jan 2 2014 7:37 pm

        Hallo!

        @Robin: Danke, dass du die Erklärung hier gepostet hast. War wirklich amüsant, das durchzulesen. “Die Protagonisten bieten sich nicht als Identifikationsfiguren an.” – Das soll also begründen, warum Hangover 2 ab 12 Jahren geeignet ist? Als nächstes werden mit dieser Begründung auch richtige Pornos ab 12 freigegeben…

        @S. K.: 100 Prozent Zustimmung. FSK 12 ist völlig falsch! Dazu kommt noch, dass viele Eltern (die den Film nicht kennen) bei Comedy weniger Probleme haben als bei Action und dann so einen Film mit 8-Jährigen ansehen!
        Der Vergleich mit USA stimmt so aber nicht ganz. Ab 17 – also Rated R – ist weitaus lockerer als FSK 16 / 18, weil dort auch jüngere Kinder den Film gucken können, sofern ein Erwachsener dabei ist.

  4. altersfreigabencheck / Jan 2 2014 7:17 pm

    Finde ich gut, dass das mal jemand schreibt! Die FSK 12 Freigabe von Hangover 2 zeigt eindeutig, dass unsere Jugendschützer es mit Jugendschutz wirklich überhaupt nicht ernst nehmen.

    Besonders bestürzend ist es, dass Hangover 2 nur eine von vielen krassen Fehlentscheidungen ist. Blue Valentine, Chloe, Das hält kein Jahr – AB ZWÖLF??? Ich finde es ja schon gut, dass unsere FSK nicht ganz so prüde ist wie die Amis, aber explizite Sexszenen ab 12 durchzuwinken, das geht wirklich zu weit.

    Weitere Beispiele auf meinem Blog: http://altersfreigabencheck.wordpress.com/2014/01/01/zu-niedrige-fsk/

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